Posted by DeSya
at 12:05 PM on August 26, 2009
|
Eines der wesentlichen erziehungswissenschaftlichen Begriffebesonders in der Berufsausbildung ist Handlungskompetenz. Auch in der deutschen Diskussion ist die Handlungskompetenzdas zentrale Stichwort. Damit ist es hier notwendig, den Begriff von Handlungskompetenz zu bestimmen. Weil das beste Wissen nichts nutzt, wenn man es nicht in Handlung umsetzen kann. Handlungskompetenz wird deshalb als wichtigste Kompetenz, als primäre Kompetenz gesehen. Nun kommt die Frage, was Handlungskompetenz bedeutet.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) gibt darauf die Antwort, dass "Handlungskompetenz wird verstanden als die Fähigkeit des Einzelnen sich inberuflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen sachgerecht,durchdacht, sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten" (KMK, 5.02.1999). Gemeint ist damit die Fähigkeit, zielgerichtet, aufgabengemäß, der Situation angemessen undverantwortungsbewusst betriebliche Aufgaben zu erfüllen und Probleme zu lösen. Und zwar entweder allein oder im Team - je nach arbeitsorganisatorischen Gegebenheiten. Die KMK hat diesen Begriff relativ präzise definiert und in dieser Definition darauf geachtet, dass Handlungskompetenz nicht eingeengt wird als die bloße Fähigkeit, einekonkrete Arbeitsaufgabe sachgerecht zu lösen.
Parallel zu diesem Nachdenken findet BADER, dass "berufliche Handlungskompetenz die Fähigkeit und Bereitschaft des Menschens ist, in beruflichen Situationen sach- undfachgerecht, persönlich durchdacht und in gesellschaftlicher Verantwortung zuhandeln sowie seine Handlungsmöglichkeiten ständig weiterzuentwickeln" (BADER1989, 75 in KERSTEN 1995, 44). Hier ergänzt er die Merkmale der Handlungskompetenz mit der Fähigkeit, die Handlungsmöglichkeiten immer weiterzuentwicklen. Man erreicht Handlungskompetenz durch die Lernprozesse im Alltags-, Berufsleben undauch wichtig durch die Ausbildung. Der Erwerb von Handlungskompetenz erfordert differenzierte Formen der Lernorganisation unter besonderer Berücksichtigung des selbständigen und des sozialen Lernens.
Als berufliche Handlungskompetenz wird "das reife und entwickelte Potentialberuflicher Fähigkeiten bezeichnet, das es dem Individuum erlaubt, den inkonkreten beruflichen Situationen gestellten Leistungsanforderungen entsprechend zu handeln" (REETZ 1999, 245). Sie befähigt einen Menschen, "die zunehmende Komplexität und Unbestimmtheit seiner Umwelt zu begreifen und durch ziel- und selbstbewusstes, flexibles, rationales, kritischreflektiertes und verantwortliches Handeln zugestalten" (PÄTZOLD 1999, 57).
Andere Meinung kommt von PETERSZEN. Er definiert Handlungskompetenz respektive Handlungsfähigkeit folgendermaßen: "Als handlungsfähig gilt,wer imstande ist, selbständig mit möglichst vielen Situationen fertig zuwerden, in die sein Leben ihn hineinführt, weil er die darin vorfindbaren Probleme eigenständig zu lösen fähig ist" (PETERSZEN 2001, 10).
Ferner sagt er, dass Handlungskompetenz ganzheitlich und integrativ ist. Handlungskompetenz setztsich aus einer Kombination aus Fach-, Methoden-, Sozial-, und Persönlichkeitskompetenz zusammen. Auf diese vier Komponenten wird im Unterricht allerdings nicht immergleichmäßig verteilt fokussiert. Vielmehr kommt es je nach Zielsetzung, Thema,Lerninhalt und eingesetzter Methode zu unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen. Das hier dargestellte Konzept der ganzheitlich-integrativen Handlungsfähigkeit bezeichnet ein "bewusstes und zielgerichtetes Tun, das sich von bloßer Tätigkeit unterscheidet" (PETERSZEN 2001, 14) und unterschiedliche Kompetenzen bedingt. Dies bedeutet aber auch, dass ein Teilbereich wie beispielsweise die Fachkompetenz in unserer heutigen Gesellschaft schon lange nicht mehr ausreichend ist, um in der Lage zusein, Situationen des Lebens (beruflich wie privat) zu bewältigen sowie Probleme selbständig und eigenverantwortlich zu lösen.
Um Handlungskompetenz zu strukturieren, wird sie in mehrere Teilkompetenzen gegliedert, wobei dies in der Fachliteratur unterschiedlich vorgenommen wird. Einerseits erfolgt eine Unterteilung in die vier Dimensionen Fach-, Methoden-,Sozial- und Persönlichkeitskompetenz (vgl. PÄTZOLD 1999, 57). Die Bereichen der Handlungskompetenzwerden in den folgenden Absätzen näher besprochen.
Unter Fachkompetenz versteht man fachliches Können und Wissen, aus dem ein Unternehmen Nutzen ziehen kann. Dazu zählen beispielsweise Rechnen oderMateriale Kenntnisse und Fähigkeiten, wie berufsübergreifende oder -ausweitende Fertigkeiten oder die Beherrschung neuer Technologien.
Die Methodenkompetenz beinhaltet die Fähigkeiten, sich Informationen zubeschaffen, sie zu strukturieren, aufzubewahren und sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu verwenden, sie aufzubereiten, Ergebnisse von Verarbeitungsprozessen richtig zu interpretieren und sie geeignet zupräsentieren. Desweiteren schliesst die Methodenkompetenz Fertigkeiten zur Problemlösung, Entscheidungsfähigkeit, selbstständiges Lernen, Begründungs- und Bewertungsfähigkeit sowie allgemein logisches Denken ein.
Unter Sozialkompetenz fasst man Begriffe wie Kommunikationsfähigkeit, Fairness, Einsatzbereitschaft, Kooperationsfähigkeit, Selbstständigkeit,Selbstbewusstsein, Mitgefühl, Menschenkenntnis und Kritikfähigkeit zusammen.
Persönlichkeitskompetenz bedeutet eigene Fähigkeiten und Stärken zu kennen und damit Situationsgerechtu mgehen können. Darunter verstanden wird die Fähigkeit, mit sich selbstkritisch und reflektierend umgehen zu können, d. h. eigene Kenntnisse,Fähigkeiten und Fertigkeiten hinterfragen und eventuell Maßnahmen, z. B. zur Qualifikation oder auch Verhaltensänderung, einleiten zu können. Es beinhaltet Selbstsicherheit, Kreativität, Ethische Werthaltungen, realistischeSelbstbilder usw.
Andererseits ist in Anlehnung an ROTH die Differenzierung in Sach-, Sozial- und Selbstkompetenzweit verbreitet (vgl. ROTH 1971, 180). Diese Dreiteilung liegt auch diesem Begriff zugrunde, da sie die Wechselbeziehung zwischen Gegenstand (Sachkompetenz), Gesellschaft (Sozialkompetenz) und Individuum (Selbstkompetenz) gut widerspiegelt (vgl. TRAUTWEIN 2004, 38).
Die Sachkompetenz umfasst die kognitive Leistungsfähigkeit, die ein sacheinsichtigesund problemlösendes Denken und Handeln ermöglicht. Sie beinhaltet folglich auch die Fachkompetenz (Fachwissen und -können).
DieSozialkompetenz betrifft die Befähigung zu kooperativem, solidarischem, sozialkritischem und kommunikativem Handeln. Sie ist die Basis für einen angemessenen Umgang mit anderen und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Kollegen.
Die Selbstkompetenz impliziert ein moralisch selbstbestimmtes humanes Handeln. Sie betrifft die Fähigkeit, mit sich selbst kritisch und reflektierend umzugehen, und beinhaltet die Entwicklung einer moralischen Urteilsfähigkeit. (vgl. REETZ1999, 246)
Curricular relevant sind vor allem zwei Kompetenzansätze:
Im berufspädagogischen Bereich steht der Begriff für das Leitziel von beruflicher Bildung schlechthin. Handlungskompetenz entfaltet sichdabei in den Dimensionen Fachkompetenz, Humankompetenz und Sozialkompetenz. Außerdem werden Methodenkompetenz, kommunikative Kompetenz undLernkompetenz als integrale Bestandteile sowohl von Fachkompetenz und Humankompetenz als auch von Sozialkompetenz gesehen.
Im allgemein bildenden Bereich wird der Begriff Handlungskompetenz derzeit nicht einheitlich verwendet. Ein in mehreren deutschen Bundesländern curricular genutzter Ansatz unterscheidet zwischen folgenden vier Dimensionen:
ROTH erwähnt, dass er seine Vorstellung von den drei grundlegenden Kompetenzen, die jeder Mensch im Verlaufe seiner Bildung und Erziehung auszubilden habe, von dem amerikanischen Psychologen WHYTE übernommenhabe. Dieser verwende den Terminus competence zur Bezeichnung derFähigkeit eines Individuums, die gegebenen Anforderungen durch entsprechende Herausbildung von Fähigkeiten des psychischen Apparates zu bewältigen. Die vier Dimensionen ergänzen und bedingen einander. Handlungskompetenz ist sowohl Ziel als auch Instrument des Lernens, sie wird im individuellen Entwicklungsprozessauf gebaut und weiter perfektioniert.
Somit in meinem Verständnis ist Handlungskompetenz die Fähigkeit eines Individuums, in entsprechenden Situationen selbständig, verantwortlich und sach- bzw. fachgerecht Probleme und Aufgaben zu lösen bzw. zu bearbeiten. In berufsbildenden Zusammenhängen ist damit meist die beruflicheHandlungsfähigkeit gemeint, mit hin die Fähigkeit, in beruflichen Arbeitsbereichen in der angegebenen Weise tätig werden zu können.
Erziehungswissenschaftlich sind folgende Hauptziele inden Blick genommen:
Es ist die Handlungskompetenz der Lernenden zufördern, d. h. Lernende für die selbständige Bewältigung der zunehmend komplizierteren und komplexeren Lebenspraxis auszurüsten. Die Schule zu öffnenfür eine Lebenswelt, die durch immer kompliziertere Produktions- und Kommunikationsverhältnisse gekennzeichnet ist.
Die Ergebnisse der didaktischen und entwicklungspsychologischen Theorien sind zu berücksichtigen, die die Förderungder Handlungskompetenz optimieren. Die Pädagogik ist zunehmend als eine Handlungswissenschaft zu begreifen, in der Unterricht als kommunikativer Prozess unter dem Primat didaktischer Entscheidungen gesehen wird. Beruhen auf oben genannte Merkmale und Definitionen schliesse ich mich,dass der Begriff der Handlungskompetenzmeint die nachweisbaren Fähigkeiten einer Person, die für ihr berufliches Handeln notwendig sind, die die ganzheitliche Qualifikation (Fach-,Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenz) und Motivation einer Person darstellt und die in der Regel durch eine Ausbildung oder durch ein Studium erworben werden.*
Literatur
BADER (1987, 75) in:KERSTEN, S. (1995): Berufsübergreifende Qualifikationen für die Urteilsbildungund das Entscheidungsverhalten von Facharbeitern und Konsequenzen für IhreEntwicklung in der Berufsausbildung. Frankfurt am Main.
Handreichung für die Erarbeitung von Rahmenlehrplänen derKultusministerkonferenz (KMK) für den berufsbezogenen Unterricht. (Stand 5. Februar 1999)
ROTH, H. (1971): Pädagogische Anthropologie. Band II. Entwicklung und Erziehung. Hannover.
PÄTZOLD, G. (1999):Berufliche Handlungskompetenz. In: KAISER, F.-J./PÄTZOLD, G. (Hrsg.):Wörterbuch Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Bad Heilbrunn, 57-58.
PETERSZEN, W.(2001): Kleines Methoden-Lexikon. München.
REETZ, L. (1999):Kompetenz. In: KAISER, F.-J./PÄTZOLD, G. (Hrsg.): Wörterbuch Berufs- undWirtschaftspädagogik. Bad Heilbrunn, 245-246.
TRAUTWEIN, F.(2004): Berufliche Handlungskompetenz. Stuttgart-Hohenheim.
Categories: Bahasa Jerman, Pendidikan