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1. Einleitung
Die didaktischen Prinzipien sind allgemeine Grundsätzefür den Unterricht, die für alle Schultypen einschliesslich alle Formenberuflichen Unterrichts gültig sind. Sie funktioniert als Regeln für die Gestaltung und Beurteilung von Unterricht, dieauf normativen Überlegungen einerseits und auf praktischen Unterrichtserfahrungenandererseits aufbauen. Sie sind sowohl konstruktive Regeln für die Gestaltungvon Unterricht als auch Kriterien für die Analyse und Beurteilung vonUnterricht. In der Didaktik der Berufsausbildung findet eine Vielzahldidaktischer Prinzipien und zwar Prinzip der Wissenschaftlichkeit,Erziehungswirksamkeit, Planmäßigkeit und Sytematik, Aktivität undSelbstständigkeit, Fasslichkeit, und Anschaulichkeit (vgl. Hortsch 2008, S. 26).
DieAnwendbarkeit derartiger didaktischer Prinzipien im Unterricht ist stets inWechselbeziehung zu Zielen, Wissen und Können der Lernenden zu beurteilen.Ferner muss ein Prinzip im Unterricht stets auch in Beziehung und in Abgrenzungzu anderen Prinzipien gesehen werden. Eines der didaktischen Prinzipien, die wirals besonders wichtig für die Unterrichtgestaltung in der Berufsausbildung ansehen,ist das Prinzip der Anschaulichkeit.
Anschaulichkeit ist bekanntestes, ältestesund bedeutsamstes didaktisches Prinzip. Historisch bedeutsame Ausführungen zumThema Anschaulichkeit im Unterricht wurde schon von Comenius mit seinem großenWerk Orbis sensualium pictus(Diesichtbare Welt in Bildern), Pestalozzi, Kant und anderen erkannt,interresanter- und folgerichtigerweise von solchen Pädagogen, die in ihrerErkenntnistheorie materialistische Ansätze zeigten (vgl. Klein, 1961, S.137).
Anschauung ist oberstes Gebot nach Comenius.Nur über Anschaulichkeit kann etwas gelernt bzw. behalten werden, aber nichtnur Ansprechen des Sehsinnes, sondern es hängt vom Lerngegenstand ab, welcheArt von Anschauung in Frage kommt, welchem Sinn (Sehsinn, Hörsinn, Tastsinn, Geruchssinn,Geschmackssinn) er vorgeführt wird. Inzwischen Pestalozzi sagte, dassAnschauung Fundament aller Erkenntnis und erster Schritt aller Erkenntnis ist.Alle gewonnenen Erkenntnis sind auf Anschauung zurückführbar, durch Anschauungsoll das Wesentliche einer Sache erkennbar sein. Nur über Anschaulichkeit kannWirklichkeit erfahren werden (vgl. Kaiserund Lange 1953, S. 3)
1.1 Problembeschreibung
Der Unterricht ist ein Interaktionsgeschehen, bei demIndividuen unter pädagogischer Begleitung in planmäßig initiierten undgeführten Lernprozessen, zum Zieleihrer Qualifikation, Personalisationund Sozialisation, ausgewählteInhalte von Kulturaufnehmen und weiterentwickeln. Er wird in all seinen wesentlichenMerkmalen, in seinen Gesetzen, Prinzipien, Methoden, Organisationsformen, inseinen Inhalt usw. von den Zielen bestimmt. Unterricht zielt schwerpunktmäßigauf die Vermittlung von neuen Informationen. Das Hauptziel ist der Erwerb vonWissen und Können und deren potentieller Anwendung.
VieleAnforderungen sind es an einen Unterricht zu stellen, wenn er zu guten Erfolgen führensoll. Nach Scholze (1956, S. 69)die wichtigsten sind: der Unterricht muss die Schüler ansprechen undinteressieren. Der Unterricht muss dem Alter der Schüler Rechnung tragen, ihreAufnahmefähigkeit und ihre Erlebniswelt beachten. Er muss die individuelleUnterschiede der einzelnen Schüler berücksichtigen und er muss lebensnah undanschaulich. Das wird um so leichter möglich sein, je mehr Lehrer auf die Anschaulichkeitbeachten.
Anschaulichkeit als ein didaktisches Prinzip ist allgemeines Gesetz fürden erfolgreichen Unterricht, die im Allgemeinen mit den anderenPrinzipien in Verbindung gebracht werden kann. Die Anwendung des Prinzips derAnschaulichkeit erleichtert die Einbeziehung anderer Prinzipien und dient damitder Erreichung des Unterrichtszieles. Bei derErfüllung des Unterrichtsziels erfordert das begründete Unterrichten desLehrers die Anschaulichkeit im Unterricht, weil sie die Aneignung derKenntnisse seitens der Schüler erleichtert, indem sich die Schüler dieGrundlagen der Wissenschaften leichter, gründlicher und bewußter aneignen.
Der Lehrer hat die Aufgabe, dasBildungsniveau auf eine höhere Stufe zu heben. Diese kann nur dann gelöst wird,wenn er anschaulich im Unterricht ist, weil die Anschaulichkeit eine derwichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Unterricht. Sachinhalte,die im Unterricht vermittelt werden, sind oft abstrakter Art und müssen deshalbfür den Schüler so aufbereitet werden, dass durch didaktisch-methodischeVorgehensweise Anschaulichkeit ermöglicht wird.
Auch wird der Lehrer gefordert, diesesPrinzip immer und in jeder Unterrichtstunde zu realisieren, deswegen muss er esverstehen, die abstrakte Formulierung dieses Prinzips zu konkretisieren. Außerdemhat er noch die Aufgabe, bei der Unterrichtsvorbereitung Anschauungsmaterial soin den verschiedenen Unterrichtsphasen einzuplanen, dass zuerst Lerninteressefür die jeweiligen Lerninhalte geweckt wird und die Schüler so Schritt fürSchritt zum Verständnis und Behalten der Zusammenhänge geführt werden.
Bei der Vorbereitung auf denUnterricht muss der Lehrer nach der wissenschaftlichen Erkenntnistheorie undden Forderungen der didaktischen Prinzipien die Hilfsmittel derVeranschaulichung entwickelt. Als Ergebnis der didaktisch-methodischenEntscheidungen sollen sie dem Schüler helfen mit allen Sinnen zu lernen. Dazuzeigten Kaiser und Lange (1953, S. 16) die Beispiele im unverändertenObjekt, veränderten Objekt, Modell, und Vorstellungen. In Anlehnung am Begriffvon Hortsch (2008, S. 32), dass dieMöglichkeit der Veranschaulichung im Unterrichtsprozess man durchgegenständlichen-, vergegenständlichten-, oder begrifflich-abstrakten Aneignungsgegenständenausführt.
Wichtig an diesenAnschauungsmitteln ist, dass der Schüler mit ihrer Hilfe zur inneren Anschauunggelangen kann. Durch zerlegendes, gliederndes, vergleichendes, ordnendes,strukturierendes Handeln gelangt der Schüler zum Strukturbild der Sache. Erschafft es über die Anschauung den Lerninhalt zu begreifen.
1.2 WissenschaftlicheFragestellungen
Aus denbisherigen Überlegungen ergeben sich folgende Fragen:
a. Was bedeutet die Anschaulichkeit für den Unterrichtsprozess in derBerufsausbildung?
b. Durch welcheArt und Weise realisiert der Lehrer das didaktische Prinzip der Anschaulichkeitim Unterricht?
c. Werden Veranschaulichungen überwiegend an der realen Wirklichkeit,an der nachgebildeten Wirklichkeit oder durch sprachlicheDarstellungen vorgenommen?
d. Warum ist der anschauliche Unterricht erfolgreich?
e. Was sind die Schwierigkeitenund Grenzen zur Realisierung vom didaktischen Prinzip derAnschaulichkeit im Unterricht?
1.3 MethodischesVorgehen
Um die Fragestellungen der Untersuchung zu beantworten, mache ichals empirische Verfahren die folgenden Vorgehen:
a. Beobachtungenbei Hospitationen im Unterricht
Während derUnterrichtstunde hospitiere ich und beobachte, wie der Lehrende ein Lehr- undLernprozess in der Klasse gestalltet. Jedes Unterrichtfach dauert 90 Minuten.
b. Gesprächemit Lehrkräften der Bildungseinrichtung
Nach demUnterricht führe ich ein Gespräch mit dem betroffenen Lehrenden. Darüber hinausmache ich zur Vertiefung in anderer Gelegenheit besonderes Gespräch mitLehrkräften dieser Bildungseinrichtung.
c. Analyse vonUnterrichtsvorbereitungen und/oder anderen Planungsunterlagen
Ichanalysiere auch die Unterrichtsvorbereitungen und anderen Planungsunterlagenvon Lehrende zum Beipiel Arbeitsblätter, Stoffverteilungsplan, Arbeitsauftrag,usw.
2. TheoretischeGrundlagen
Das didaktische Prinzip der Anschaulichkeithat in der Geschichte der Didaktik eine lange Tradition. Es wurde im Laufe derNeuzeit entwickelt, um Grundsätze für das Lehren abstrakter Sachverhalte vorallem bei Schüler zu vermitteln. Es wendet sich gegen eine didaktische Praxis,die auf das Aneignen und Wiedergeben unverstandener Worthülsen hinausläuft.Lerninhalte sind nur dann Bildungsinhalte, wenn sie der Lebensorientierung undLebensbewältigung dienen. Mit allen Sinnen soll der Lernende erfassen undbegreifen. Dies setzt voraus, dass sie durch unmittelbare und mittelbareBegegnung und Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit Erfahrungen auchsinnlicher Art machen kann.
2.1 Begriffserklärung
Das didaktische Prinzip der Anschaulichkeit richtet sich auf diebewusste Gestaltung von Wahrnehmungsprozessen im Unterricht. Nach Hortsch (2008, S. 31) Anschaulichkeit ist „eine Eigenschaftvon subjektiven Abbildern“, die als Resultat von Wahrnehmungsprozessenentstehen, wenn das Anzueignendeeinen bildhaften Charakter hat, das Anzueignende Assoziationen zu bereitsAngeeignetem erlaubt und das Verbale aus solchen Elementen besteht, die demLernenden vertraut sind. Anschaulichkeit bedeutet, dass es möglich gemachtwird, die Unterrichtsinhalte durch Wahrnehmung mittels der Sinnesorgane zuerfassen.
Klein (1961, S. 137)ist der Meinung, dass die Formulierung „Einheit des konkreten mit dem von ihmAbstrahierten“ den wesentlichern Inhalt dieses Prinzips deutlicher zum Ausdruckbringt als die „Anschaulichkeit“. Unter der Anschaulichkeit des Unterrichtsverstehen wir eine wesentliches Merkmal des guten, erfolgreichen Unterrichts.Die Anschaulichkeit ist eine notwendige Eigenschaft des Unterrichts, einunbedingbarer Bestandteil jeder erfolgreichen pädagogischen Arbeit. Deranschauliche Unterricht ist dadurch gekennzeichnet, dass die Schüler (unterLeitung des Lehrers) durch exaktes Wahrnehmen und Beobachten von Gegenstanden,Vorgängen und Verhantensweisen deutliche Vorstellungen und Anschauungengewinnen (Scholze 1956, S. 21).
Im Zusammenhang mit dem BegriffAnschaulichkeit gibt es Veranschaulichung und Anschauung. Veranschaulichung istalso das Bemühen des Lehrers, einen Lerninhalt so aufzubereiten, dass dieVorstellungsfähigkeit des Schülers unterstützt wird, um zur Begriffsbildung zugelangen. Anschaulichkeit besitzt ein Unterricht, wenn die Methodik des Lehrersdie entwicklungsbedingte Wahrnehmungsfähigkeit des Schülers berücksichtigt undHilfestellungen zu denkenden Auseinandersetzung bieten kann. DieAnschaulichkeit des Unterrichts hängt also in hohem Maße vomdidaktisch-methodischen Geschick des Lehrers ab. Anschauung als unabdingbaresMoment für Lernvorgänge wird im Unterricht durch besondere Mittel geschaffen,die sogenannte Anschauungsmittel. Anschauungsmittel im didaktischen Sinn sindalle erkennbaren Gegenstände, Einrichtungen, Maßnahmen usw., die im Unterrichteingesetzt werden, um Anschauung von dem zu Lernenden, den Lerninhalten zuschaffen
Also, Anschaulichkeit ist die Voraussetzungfür Erkenntnisgewinnung durch Wahrnehmung. Sie weist ein Unterricht auf in demes möglich ist, Unterrichtsinhalte durch Wahrnehmungen mittels der Sinnesorganezu erfassen. Veranschaulichung im Unterricht heißt, den Unterrichtsstoff sodarzubieten, dass ihn die Schüler mit Hilfe ihrer Sinnesorgane und entsprechendihrer Auffassungsfähigkeit umfassend und zutreffend erkennen können. DieVeranschaulichung bezieht sich dabei auf die Sache selbst. Sie kann inverschiedenen Stufen der Konkretisierung im Mittelpunkt des Unterrichts stehen:Realbegegnung (wirklicher Gegenstand), Präparat, Modell (Verkleinerung derWirklichkeit), Bildhafte Darstellung, Schema und Symbol.
2.2 Notwendigkeitder Anschaulichkeit
Die Anschaulichkeit hat eine große Bedeutungfür den Unterricht. Diese basiert auf psychologische Begrundung und didaktischeFunktion als theoretische Grundlagen. In der Lernpsychologie (Pietrzyk 2009, S. 3-4) gibt esverschiedene Argumente, die eine Begründung für das UnterrichtsprinzipAnschaulichkeit liefern.
a. Theorie der doppelten Koordinierung
berücksichtigt die Forschungen zu den Hemisphären des menschlichen Gehirns: linke Gehirnhälfte für Verarbeitungsymbolischer Zeichen (Sprache, Schrift, Zahlen) zuständig, rechte Gehirnhälftefür ikonische Zeichen (Bilder, Filmaufzeichnungen); Digitale Systeme (Spracheetc.) sprechen den Verstand an, ikonische das Gefühl beim Menschen.Erfolgreiches Lernen bedeutet, den Lernstoff so aufzuarbeiten, dass er beideGehirnhälften anspricht. In der Unterrichtspraxis daher auf die Einbeziehungder Sinne besonders achten.
b. Gedächtnispsychologie
Aufnahme und Verarbeitung von Informationen beginnt imKurzzeitgedächtnis; dort werden Infos ca. 5 – 20 Sekunden gespeichert.Empirische Untersucheungen belegen: Veranschaulichung im Unterricht durch realeGegenstände, bildliche Darstellungen, etc. steigern die Leistungen der Schülerbeim Auffassen und Behalten neuen Lernstoffs. Der Mensch nimmt nur 20% derInfos über das Gehör auf, aber 50% mit den Augen.
c. Motivationspsychologie
Interesse von Schülern an einem Sachverhalt steht in Wechselbeziehung mitder Art der Darstellung; Schüler durch Anschauungsmittel stärker motiviert,sich mit dem Lerngegenstand längere Zeit zu befassen.
Andere Begründung kommt aus der Sicht didaktischerFunktion, die eine Leistung einesUnterrichtsschrittes odereiner sonstigen didaktischen Maßnahme ist. Sie ist wesentliche Momente desUnterrichtsprozessverlaufs und durch Gesetzmäßigkeiten des Lehr- undLernprozesses begründet. Sie werden durch wechselseitig voneinander abhängige Handlungen derLehrenden und Lernenden realisiert. Sie sind Operationsfolgen von Lehrenden undLernenden zur Realisierung von Unterrichtszielen, zur Übermittlung undAneignung bestimmter Inhalte und zur Ermittlung von Lehr- und Lernergebnissen.
a. Steigerung des Lerninteresses durchAnschaulichkeit
Erst durchLerninteresse wird ein Lernprozess überhaupt erst angestoßen, Lernen ist ohneLerninteresse überhaupt nicht denkbar. Anschaulichkeit hat sich als guter Wegerwiesen, Interesse zu wecken und aufrecht zu erhalten. Anschauungsmittelmüssen für Schüler attraktiv sein.
b. Erleichterung des Begreifens durchAnschaulichkeit
Aufgabe des Lehrers,dazu beizutragen, dass ein Lerninhalt begreiflich wird. Ein Schüler kann nurbegreifen, was ihm so gegenübergestellt wird, dass er es begreifen kann.Anschauungsmittel machen sinnlich wahrnehmbar, was gelernt werden soll
c. Förderung des Behaltens durch Anschaulichkeit
Ziel allen Lernenssollte das Behalten des jeweiligen Lerninhalts sein. Anschauung soll nicht nurdas Behalten ermöglichen, sondern auch den Grad des Behaltens beeinflussen.Dies bedeutet für den Lehrer, dass er durch die Art der Anschauung das Behaltenfördern kann. Lehrer muss dem Schüler auch die Möglichkeit zu einer aktivenAuseinandersetzung mit dem Lerninhalt ermöglichen (Schüleraktivität). Um nicht zuvergessen muss sich der Schüler aber auch aktiv darum bemühen, das Gespeichertedauerhaft ins Langzeitgedächtnis einzuarbeiten, von wo es bei Bedarf wiederaktiviert werden kann. Eine starke Aktivität beim Speichern bewirkt einen hohenGrad der Vernetzung des neu Erlernten mit bereits Gespeichertem.
2.3 Möglichkeitenzur Veranschaulichung im Unterricht
In Anlehnung am Erfahrungskegel nach Dale unterscheidet man zwischen direkterErfahrung (keine Abstraktion, Handeln), ikonischer Erfahrung (mittlereAbstraktion, Beobachten) und symbolischer Erfahrung (hohe Abstraktion, Reden,Schreiben und Lesen) wie in der folgenden Abbildung dargestellt ist.
Abb. 1: Erfahrungskegel nach Dale (1954),zitiert nach Tulodziecki(1997 S. 57)
Die Anschaulichkeitwird in dieser Abbildung nach der Art der Sinneserfahrung geordnet, und zwarnach direkten Erfahrungen, bildhaften bzw. ikonischen Erfahrungen undsymbolischen Erfahrungen. Insgesamt und innerhalb dieser drei Gruppen werdendie Erfahrungs-möglichkeiten nach dem Grad der Sinnesbeteiligung klassifiziert.Diese Klassifikation wird mit verschiedenen Lernformen in Verbindung gebracht.
Entsprechend der Begründung derpädagogischen Psychologie und didaktischer Funktion kann die Anschaulichkeitdurch drei verschiedenen Arten erreicht werden, wo jede Form denAbstraktionsgrad beschreibt (vgl. Hortsch2008, S. 31 und Klein 1961, S.139):
a. Gegenständlichen Aneignungsgegenstand
Die Schülernehmen die Erscheinungen unmittelbar in der Realität, zum Beispiel in denverschiedenen Formen ihrer praktischen Tätigkeit, oder mittelbar an Lehr- undLernmitteln wahr. Dazu gehört selbst erlebte Wirklichkeit, aufgesuchteWirklichkeit, demonstrierte Wirklichkeit.
b. Vergegenständlichten Aneignungsgegenstand
DieErscheinungen werden an der nachgebildeten Wirklichkeit eingehend mit Modelle,bildliche Darstellungen oder Schemata vorgenommen.
c. Begrifflich-abstakten Aneignungsgegenstand
Die Schülererhalten die Gelegenheit zur Wahrnehmung, die jedoch durch sprachlicheErklärungen, Hinweise und Fragen des Lehrers ergänzen wird. Es kann mündliche-oder schriftliche Darstellung von Aneignungsgegenständen sein.
Nach Nashan R.,Ott. B. (1995, S. 185) ist einUnterricht erst dann anschaulich, wenn die Schüler neben demsinnlich-äußerlichen Erfassen durch das Anschauungsmittel operieren undstrukturieren konnten. Somit unterscheidet man die äußere und innere Anschauung.Die äußere Anschauung lässt sich unterteilen in
a. dieaufgesuchte Wirklichkeit, wie etwaBetriebserkundigungen, Besuch von Messen, Lehrfahrten usw.
b. diehereingeholte Wirklichkeit, wie etwaWerkstücke, Werkstoffe, Arbeitsmittel, Diagramme, Gebrauchsanweisungen,Unfallverhütungsvorschriften usw.
c. dienachgeahmte Wirklichkeit, wie etwaModelle, Experimente, Werkstätten, Labors usw.
d. dieabgebildete Wirklichkeit, wie etwaFilme, Dias, Tonbänder, technische Zeichnungen, Schemaskizzen, Prospekte usw.
2.4 DidaktischeRegeln zur Realisierung der Anschaulichkeit
Didaktische Regeln werden zum einzelnen didaktischen Prinzipformuliert, die spezielle einzelne gehende Weise für die richtige Gestaltungdes Unterrichts enthalten und dem Lehrer helfen, die didaktisches Prinziprichtig zu befolgen. Zur Realisierung des didaktischen Prinzips derAnschaulichkeit, der Einheit des Konkreten mit dem von ihm Abstrahierten könnenwir die folgenden Regeln formulieren(Klein 1961, S. 137):
1. Grundlagejeder denkenden Verarbeitung und Durchdringung von Erscheinungen undBeziehungen der Realität, Grundlage jeder Ableitung von Erkenntnissen muss dielebendige Vorstellung der zu duchdenkenden Sachverhalte sein.
2. Ohne dassauf sprachliche Erklärungen und Schilderungen verzichtet wird, müssen dieSchüler im Unterricht ausreichend Gelegenheit zur Wahrnehmung der zubehandelden Erscheinungen erhalten, damit die notwendigen lebendigenVorstellungen erzeugt werden.
3. Wenn dieSchüler im Unterricht bestimmte Erscheinungen entweder direkt in der Realitätoder an Lehr- und Lernmitteln wahrnehmen sollen, dann ist diese Wahrnehmungdurch Hinweise zu lenken, duch Fragen zu kontrollieren oder duch Erklärungen zuergänzen.
4. Die Schülerdürfen nicht bei den lebendigen Vorstellungen stehenbleiben, sondern sie sindzur gadanklichen Durchdringung der Erscheinungen zu führen, damit sie das Wesender Erscheinungen erkennen.
5. Die Lehr-und Lernmittel sind im Unterricht so zu verwenden, dass die Schüler von einembestimmten Zeitpunkt an die entsprechenden Vorstellungen auch ohne Lehr- undLernmittel reproduzieren können.
3. Darstellung der Beobachtungen
In den beobachteten Unterrichtenbemühte sich der Lehrer durch die Veranschaulichung, einen Lerninhalt soaufzubereiten, dass die Vorstellungsfähigkeit des Schülers unterstützt wird, umzur Begriffsbildung zu gelangen. DieUnterrichten vom Lehrer besaß die Anschaulichkeit, weil die Methodik desLehrers die entwicklungsbedingte Wahrnehmungsfähigkeit des Schülers berücksichtigtund Hilfestellungen zu denkenden Auseinandersetzung bieten kann. DieAnschaulichkeit des Unterrichts hängt also in hohem Maße vom didaktisch-methodischenGeschick des Lehrers ab.
Als Veranschaulichungsformen imUnterricht sehen wir in der vom Lehrer verwendeten Sprache und in Medien. DieSprache ist das grundlegende Medium des Unterrichts. Sie dient als Vermittlervon Informationen und muss unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen, damit sieAnschaulichkeit bekommt. Eine entscheidende Vorbedingung zur Bewältigung von Sachverhalten ist dieAnschaulichkeit der Sprache, die immer in Abhängigkeit des Adressaten gesehenwerden muss.
In der Sprache verwendete der Lehrerverbale Kommunikation (quantitativ bedeutsamstes Anschauungsmittel imUnterricht, da jede Aktion versprachlicht werden muss), rein verbale Mittel(Metaphern, Vergleiche), paralinguistische Mittel (Lautstärke, Sprechtempo, Artikulation)und nonverbale Kommunikation wie Körpersprache (Gestik und Mimik).
Die Anschaulichkeit der Sprachereicht oft nicht aus, um Lerngegenstände anschaulich zu vermitteln. Deswegengibt es noch andere anschauliche Darbietungsformen. Um der höchste Grad derAnschaulichkeit zu erreichen, konnte der Schüler den Unterrichtsgegenstand inseiner Orginalität erfahren. Wodurch die Erkenntnisbildung, die Anwendung undder Transfer erleichtert wird. Die orginale Begegnung wurde durchUnterrichtsmedien ersetzt, wenn eine direkte Veranschaulichung nicht möglichist.
Der Lehrer wählte für seinen Unterrichtgeeignete Objekte, Materialien, Medien und Arbeitsmittel je nach Fachbereichaus, die den Unterrichtserfolg ermöglichen. z.B. Medien (Tafel, OHP, Modelle,Versuche)
Um die Ergebnisse derBeobachtungen im Einzelnen darzulegen, sollen wir einige Beispiel derRealisierung von Anschaulichkeit im verschiedenen Unterricht klarmachen undzwar:
3.1 DieAnschaulichkeit im Unterricht der Bauausbildung (z.B. Maler und Lackierer)
Im Unterricht vom Bereich Maler und Lackierer versuchte derLehrer dem Prinzip der Anschaulichkeit gerecht zu werden durch: Direktezielbewußte Erfahrung, gut strukturierte und visuell ansprechende OH-Folien, verständlichund klar formulierte und aufbereitete Arbeitsblätter und farblich unterstützteTafelbilder. Dafür geht Anschauung aus von
- Objekten,Gegenständen (z.B. Holzarten, Innenräume, Schaufenster, Fahrzeuge) und istdreidimensional.
- Abbilder vonObjekten, Gegenständen (z.B. Bilder, Skizzen, Zeichnungen) und istzweidimensional und
- Sprachliche,sysmbolische Darstellung von Objekten, Gegenständen und ist eindimensional.
Konkrete Objekte in Gestaltung haben unbedingte Priorität, um
- die architektonische Dimensionen, Gliederungen, Bausteile zuerfassen
- Die forhandenen Farb (Form-, Schrift-) gestaltungen einzusehen undkritisch zu begutachten
- Die Stilrichtung von Gebäuden und Automarken (Modelle) zu erkennen
- Den Grundsatz der Authenzität einzulösen und
- Gestaltung anschaulicher, d.h. lebendiger, authentischer undbegreifbarer zu machen.
3.2 DieAnschaulichkeit im technischen Unterricht (z.B. Kfz-Machatronik)
Der Unterricht von Kfz-Mechatronik wurde direkt im Werkstatt und waranschaulich. Die Schüler nahmen die Erscheinungen unmittelbar in den verschiedenenFormen ihrer praktischen Tätigkeit und mittelbar an Lehr- und Lernmitteln wahr.Der Lehrer erklärte den Aneignungsgegenstand Schritt für Schritt, beachtete dieWahrnehmungsfähigkeit der Schüler und verwendete die Anschauungsmittels. Ersetzte auch genaue Unterrichtsmethode in die Tat um. Zum Beispiel im Unterrichtüber das Thema Messung der Spannung (Elektrische Größen) stellte der Lehrer amAnfang kleine Fragen, danach erklärte mit der richtigen Theorie. Dazuerreichten die Schüler die Anschaulichkeit durch die Sprache von Lehrer(Begrifflich-abstakten Aneignungsgegenstand). Zur Erklärung einesAneignungsgegenstandes werden die Erscheinungen an der nachgebildetenWirklichkeit eingehend mit Modelle, bildliche Darstellungen und Schemata vorgenommen (VergegenständlichtenAneignungsgegenstand). Hier vier verschiedenen Spannungsmessgeräte wurdenbenutzt und die Schüler erlebten selbst, wie mit dieser Geräte elektrischeGrößen messen.
3.3 Die Anschaulichkeit imnaturwissenschaftlichen Unterricht (z.B. Chemie)
In der Chemiestunde war dieAnschaulichkeit vorhanden als Wahrnehmen, Beobachten und selbsttätigesExperimentieren der Schüler, als Vergleichen, Unterscheiden, Benennen und inanderen Formen des abstrahierenden Denkens. Der Unterricht wurde im Chemielabordurchgeführt und die Schüler erworben eine unmittelbare Erfahrung im Umgang mitdem Anegignungsgegenstand. Interaktive Arbeitsblätter und 3D-Animationenerhöhen die Anschaulichkeit des Unterrichts. Viele Unterrichtsthemen lassensich mithilfe von interaktiven Arbeitsblättern oder Animationen anschaulicherund damit begreifbarer machen. Der Einsatz von 3D-Animationen erhöht dieAnschaulichkeit und unterstützt die Visualisierung chemiesche Probleme.
Zur Anschaulichkeit dieserUnterrichtstunde gehörte auch das Tafelbild, das die Ergebnisse klarzusammenfasste. Ebenso wichtig ist auch der Hinweis, dass der Lehrer in dieserStunde wenig redete, aber durch sparsame, klare und bestimmte Fragen undImpulse die Anschaulichkeit des Unterrichts immer wieder förderte, dieAufmerksamkeit der Schülerwachhielt und ihre Selbsttätigkeit anregte.
Nach der Beobachtungen vonUnterrichtsstunde, Gespräch mit den Lehrenden und Analyse derUnterrichtsvorbereitungen durchgeführt wurde, finde ich dann heraus, dass dieAnschaulichkeit mehr als ein didaktisches Prinzip ist. Sie ist nicht nur imBildungsvorgang des Unterrichts, sondern in allen pädagogischen Bereichenwirksam ist. Sie spielt in der schulischen und auch außerschulischen Ausbildungeine große Rolle.
Im Unterricht der beruflichen Ausbildungsetzte der Lehrer die Möglichkeiten der Veranschaulichung wie im von Dalebeschriebenen Erfahrungskegel um. Dieser zeigt drei Ebenen: diehandlungsbezogene, die bildliche und die symbolische Ebene.
- In der handlungsbezogeneEbene wird die komplexe Wirklichkeit zu einer einfacheren, nachgebildetenWirklichkeit umgestaltet. z. B. durch Rollen- oder Planspielen (Simulationen).
- In der bildlichenEbene werden Realsituationen durch optische und/oder akustische Mediendargestellt. Sie ist wirklichkeitsfremder und abstrakter.
- Die Darstellungvon Symbolen ist die dritte Ebene, sie wird in der Sprache, in Zahlen- undZeichensystemen vorgefunden.
4. Auswertung
Es versteht sich von allein, dassUnterricht in der Berufsschule konkrete Gegenstände vor Bilder (auchArbeitsblätter, Zeichnungen, Skizzen) und Handlungen vor Symbolen setzt. Dashäufigste im Unterricht verwendete Medium zur Veranschaulichung ist dieSprache. Hier muss aber der Prozess derVeranschaulichung und das Ergebnis kritisch reflektiert werden, da dieErklärungen des Lehrers bei jedem Schüler auf einen anderenErfahrungshintergrund treffen und andere Assoziationen hervorrufen können.
Unterrichtsmaterialien ersetzenreale Begegnungen z.B. sachliche Gegebenheiten, die aufgrund ihrer Kleinheitnicht direkt beobachtbar sind (vergrößerte Modelle), Bewegungsabläufe, welchein der direkten Beobachtung nicht erkennbar sind, Zusammenhänge, die in derRealität nicht überschaubar sind (Schemata, Modelle,…![]()
Diejenigen Medien weisen diehöchste Anschaulichkeit auf, die den realen Gegenstand unmittelbar repräsentieren.Die zur Veranschaulichung genutzen Medien, vor allem Informationsträger könnenzur Sachverfälschung oder Sachverzerrung führen.
Anschaulichkeit der Darstellungund Anschauung als Ergebnis der didaktisch-methodischen Entscheidungen helfendem Schüler mit allen Sinnen zu lernen. Bei einigen Lerngegenständen stösstaber die Veranschaulichung an ihre Grenzen, „da unsere herkömmlichenSinnesorgane in einem von der Technik beherrschten Leben heute nicht mehrausreichen“. Da sich die Kindheit verändert hat, gehen wichtigePrimärerfahrungen verloren bzw. werden durch neue ersetzt. Dies ist bei derUnterrichtsplanung- und vorbereitung zur berücksichtigen.
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Literaturverzeichnis
Hortsch, H. : Didaktik der BerufsausbildungMerkblätter. Dresden: SFPS-Wissenschaftlicher Fachverlag, 2008
Huber, H.: Fachtheorie und Fachpraxis in derBerufsschule, in: Prof. Dr. Schorb (Hrsg.): Wege zum Beruf. München:TR-Verlagsunion, 1983
Kaiser, H.; Lange, W.: Prinzip derAnschaulichkeit. Berlin: Volk und Wissen Volkseigener Verlag, 1953
Klein, H.: Didaktische Prinzipien undRegeln. Berlin: Volk und Wissen Volkseigener Verlag, 1961
Nashan R.; Ott. B.: Unterrichtspraxis Metalltechnik,Maschinentechnik. Bonn: Dümmler, 1995
Pietrzyk, U.: Psychologie des Lernen. Biologische undPsychologische Grundlagen des Lernens. Fakultät Mathematik undNaturwissenschaften, Fachrichtung Psychologie. TU Dresden, 2009
Scholze, Friedrich T.: DieAnschaulichkeit in der Erziehung und im Unterricht. Berlin: Volk und WissenVolkseigener Verlag, 1956
Tulodziecki, G.: Medien in Erziehung und Bildung.Grundlagen und Beispiele einer handlungs- und entwicklungsorientiertenMedienpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 1997
Categories: Pendidikan
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