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von Dede Syaehumishbah, Xingyuan Tong, Rita Maruanaya
1. Charakterisierung des TZI Konzepts
1.1 Einführung
Der Begriff Themenzentrierte Interaktion (TZI) verweist auf das Prinzip, dass jede Gruppeunter einem bestimmten, explizit genannten Thema steht und sich damit beschäftigt[1]. NachRuth Cohn ist die TZI ein pädagogisch-therapeutisches Gruppenkonzept[2]. Es ist in den 60er Jahren entstanden aus den Erfahrungen und Erkenntnissen derPsychoanalyse, der Gruppendynamik und der Erlebnistherapie. TZI führt von einerTherapie für wenige hin zu einer Pädagogik für viele und bietet ein Modell, umin Gruppen und Gremien eine lebendige und erfolgreiche Zusammenarbeit in gegenseitiger Wertschätzung zu fördern. TZI will lebendiges Lernen in einer Gruppe möglich machen.
Das Besondere der TZI ist, dass sie nicht den Charakter des Frontalunterrichtens hat, sondern die Gruppen- und Lernprozesse sollen teilnehmerorientiert und interaktionell verlaufen. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, in dem thematisch-sachbezogenes Arbeiten mit menschenwürdigen Umgangsformen in der Kommunikation und Interaktion verbunden wird. In dieser Form der Gruppenarbeit spielen also Inhalt und Beziehung, die Sach- und die Beziehungsebene in jeder Phase des Prozesses eine Rolle.
TZI versucht also, den rein sachbezogenen Lernprozess des Frontalunterrichtens durch Inbezugnahme der einzelnen Personen, ihrer Verbindungen und ihres Umfeldes zu einem ganzheitlichen Prozess zu gestalten. Um diese Ganzheit desLern- oder Arbeitsprozesses anschaulich zu machen, gibt es für das TZI Modellein Symbol, das Dreieck in der Kugel (Langmaack 2001, S. 49):
Abb.1:Strukturmodellder TZI
EineGruppe wird hier also in vier Dimensionen betrachtet, diese vier Faktorenbestimmen jeden Gruppenprozess:
ICH : Fähigkeiten, Verhalten und Persönlichkeit eines Gruppenmitglieds
WIR : Interaktion, Kommunikation, Kultur und Dynamik der Gruppe
THEMA : Anliegen, Auftrag, Sache, Ziele der Arbeit
GLOBE : Umfeld in sozialer, ökologischer, ökonomischer, technischer, räumlicher, zeitlicher Hinsicht.
DiesesDreieck symbolisiert sowohl den ethischen Hintergrund, als auch die Methodikvon TZI-Prozessen. TZI beruht auf der Hypothese, dass jede Person (ICH), dieInteraktion der Gruppe (WIR) und die Arbeit an einer Aufgabe (THEMA, ES) alsgleichwertig angesehen werden sollen und der gegenseitige Einfluss von Gruppeund Umfeld beachtet werden muss. Die drei Pole des Dreiecks stehen also inständiger Beziehung zueinander und auch in Beziehung zum Umfeld desGruppenprozesses, dem sogenannten GLOBE. Sie sind interdependent, sie existieren in gegenseitiger Abhängigkeit.
ImKonzept der Themenzentrierten Interaktion wird davon ausgegangen, dass Lernenund Arbeiten in Gruppen dann für alle Gruppenmitglieder am effektivsten ist,wenn sich die Pole des Ich-Wir-Themen-Dreiecks in einem Gleichgewicht befinden.Nur dann ist lebendiges Lernenmöglich. Es ist die Aufgabe der Gruppenleitung, diese Balance zu wahren. Dazumuss das Dreieck in der Kugel immer wieder neu reflektiert und darauf geachtetwerden, dass der Gruppenprozess immer wieder ins Gleichgewicht aller Polezurückgeführt wird.
DiesesGleichgewicht stellt sich als eine dynamischeBalance dar. Dynamisch heißt, dass ein ausgewogener Zustand immer nurvorübergehend erreicht wird und immer wieder neu angestrebt werden muss. AmAnfang der TZI-Durchführung führen die vier Dimensionen zum Beispiel zufolgenden Fragen :
ICH : Was bringe ich mit, was für das Gelingen förderlich sein kann? Wastrage ich bei?
WIR : Wann und wodurch wird miteinander lernen für mich / uns förderlich? Wann? Macht esSpaß?
THEMA : Was sind meine Anliegen? Was sind eigene und gemeinsame (Lern-) Ziele?
GLOBE : Was sind hinderliche / förderliche Rahmenbedingungen, die uns beeinflussen?
Durchdiese ganzheitliche Herangehensweise, die durch das Dreieck in der Kugelsymbolisiert wird, bekommt ein TZI-Gruppenprozess - sofern es gelingt, diedynamische Balance zu halten - u.a. folgende Eigenschaften:
Den Teilnehmenden wird gemeinsam klar, an was sie mit welcher Zielsetzung arbeiten. Es gibt immer ein gemeinsames Thema, Anliegen. Es kann ein starkes Wir-Gefühl entstehen, das die Zusammenarbeit fördert.Der Gruppenprozess unterliegt der Verantwortung aller Personen in der Gruppe.Die Teilnehmenden können ihre persönlichen Energien freisetzen und einbringen. So kann die einzelne Person sich selbst im Gruppenprozess wiederfinden. Eigene Wünsche und Vorstellungen können leichter eingebracht werden.Emotionale Bezüge und bisherige Erfahrungen des Einzelnen oder der Gruppe gehen in die Diskussion und die Ausgestaltung der Lösung mit ein. Dies führt zu einer stärkeren Akzeptanz und einem engagierteren Mitttragen der Gruppenarbeit und der Arbeitsziele.Die Interaktion untereinander ist auch Gegenstand des Lernens und der Reflexion. (Ganzheitlichkeit)Die relevanten Bedürfnisse des Umfelds (GLOBE) werden berücksichtigt und das Ergebnis der Arbeit kann wesentlich leichter in ihr umgesetzt werden.Es können persönliche Grenzen und Grenzen in der Gruppendynamik bewusst werden.
1.2Axiome der TZI
Umeine kommunizierbare Grundlage für die fundamentale Sinn- und Wertorientierungaller Arbeitsprozesse zu schaffen, hat die TZI drei Axiome. Sie sind untrennbar miteinander verbunden (Ruth Cohn1991, S.120):
1.Das erste Axiom ("existenziell-anthropologisches Axiom"):
?Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit, ein Teildes Universums, darum autonom und interdependent".
Andersformuliert: Ich gewinne an Autonomie, je mehr ich die Welt bewusst in mich einlasse und mir überihre Zusammenhänge im Klaren bin. Wenn ich mir die reale Situation, einschließlichder Fähigkeiten, Probleme, Konflikte und Abhängigkeiten der Teilnehmer einerGruppe bewusst mache, habe ich mehr Möglichkeiten, mich und meine Werte undZiele realistisch zu vertreten, als wenn ich unbekümmert draufloshandle. Esgeht also darum, ein möglichst realitätsangemessenes Bild von dem situativenFeld und von den Charakteren und Beziehungen der Menschen in der Gruppe zuentwerfen.
2.Das zweite Axiom ("philosophisch-ethisches Axiom") :
?Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respektvor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll,Inhumanes wertbedrohend?.
Humanzu sein bedeutet zum Beispiel, keine Lebewesen zu quälen oder zu töten. AllesInhumane ist lebensbedrohend, wobei sich diese Bedrohung auch auf dasVernachlässigen, Unterdrücken oder Abtöten von seelischen, geistigen undzwischenmenschlichen Fähigkeiten bezieht. Der Respekt vor allen Äußerungen desLebens ist die Grundlage für alles Wachstum und so auch für das Lernen undmiteinander arbeiten.
3.Das dritte Axiom ("pragmatisch-politisches Axiom") :
?FreieEntscheidung geschieht innerhalb bedingenden innerer und äußerer Grenzen. Erweiterungdieser Grenzen ist möglich?.
DiesesAxiom weist auf die Verzahnung des Innen und Außen hin. Es sind hier die grundlegendendemokratisch-politischen Aspekte des TZI-Systems formuliert, die das erste undzweite Axiom ergänzen. In jeder existentiellen, konkreten und aktuellenSituation sind diese inneren und äußeren Grenzen wirksam, entscheidend ist,dass sie veränderbar sind.
1.3 Postulate der TZI
Ausdiesen drei Axiomen ergeben sich dieexistentiellen Postulate der TZI. Diese Forderungen sprechen aus, wiedie Axiome im persönlichen Leben und im Gruppenleben verwirklicht werdensollen. Sie sind die methodischen Grundregeln der Interaktion in einerTZI-Gruppe.
1. ?Sei dein eigener Chairman?[3] (Ruth Cohn 1991,S.121)
Diesbedeutet:
sei dir deiner inneren Gegebenheiten und deines Umfelds in jedem Augenblick bewusstnimm jede Situation als Angebot für deine Entscheidungennimm und gib, wie du es verantwortlich für dich selbst und andere willst. DiesesPostulat fordert dazu auf:
im ständigen Wechselspiel nach innen und nach außen zu sehen. Dieses zweifache Hinschauen verhindert Egoismus, der den anderen vergisst, oder eine Helferhaltung, die sich selbst vergisst.immer auf dem Lernweg zu sein, also mit dem Geiste eines Anfängers zu arbeiten und die Bereitschaft zu haben, sich zu ändernvolle Selbstverantwortung für die eigenen Gedanken, Entscheidungen und Handlungen zu übernehmen. Dies beinhaltet auch die Feststellung, dass der Mensch sich immer entscheiden muss.
2. ?Störungenhaben Vorrang? (Ruth Cohn 1991, S.121)
Störungenund Betroffenheiten sind eine Realität, die Respekt verdient und Vorrang hat. Dennwenn Störfaktoren nicht gelöst werden, wird der Gruppenprozess und das persönlicheWachstum verhindert oder erschwert. Störungen können z.B. sein Lärm, Schmerz, Angst,persönliche emotionale Betroffenheit oder unausgesprochene Interessen und Widerstände.Dieses Postulat hängt mit dem ersten Postulat eng zusammen. Es fordert dazuauf, sich die Zeit zu nehmen, bewusst zu spüren wie die aktuelle Situation sichdarstellt. Die eigenen und die Emotionen oder Störungen der Gruppenmitgliedersollen akzeptiert und ernst genommen, zur Sprache gebracht, thematisiert undgemeinsam gelöst werden, anstatt sie beiseite zu schieben, damit ihre Energienicht unterschwellig unerwartete Auswirkungen hat.
1.4TZI-Hilfsregeln
DieTZI-Hilfsregeln sind Kommunikationshilfen und Interventionstechniken, die denUmgang mit den Axiomen und Postulaten unterstützen bzw. sie praktischhandhabbar machen sollen. Sie sind keine dogmatischen Verhaltensregeln, sondernsollen hilfreiche Möglichkeiten anbieten, um in Gruppensituationen bewusst zuhandeln.
"Wenn du eineFrage stellst, sage, warum du fragst und was deine Frage für dich bedeutet. Sagefür dich selbst und vermeide das Interview." (Ruth Cohn 1991,S.124)
Begründung:Fragen können so nicht mehr als inquisitorische Machtkämpfe verstanden werden.Eigene Aussagen, Gedanken und Interaktionen inspirieren den persönlichen undsachlichen Austausch.
"Sei authentischund selektiv in deinen Kommunikationen. Mache dir bewusst, was du denkst und fühlst,und wähle, was du sagst und tust." (Ruth Cohn 1991,S.125)
Begründung:Wenn ich alles ungefiltert sage, beachte ich nicht die Vertrauensbereitschaftund Verständnisfähigkeit der Menschen. Wenn ich lüge oder manipuliere,verhindere ich Annäherung und Kooperation. Wenn ich selektiv und authentischbin, begünstige ich Vertrauen und Verständnis. Wenn erst einmal Vertrauengeschaffen ist, wird die Filterung zunehmend überflüssig.
"Halte dich mitInterpretationen von anderen so lange wie möglich zurück. Sprich statt dessendeine persönlichen Reaktionen aus." (Ruth Cohn 1991, S.125)
Begründung:Nicht-interpretative, direkte persönliche Reaktionen auf das Verhalten andererführen zu spontaner Interaktion. Wenn sie taktvoll ausgesprochen werden,fördern sie ein authentisches Miteinander.
"Seizurückhaltend mit Verallgemeinerungen" (Ruth Cohn 1991,S.126)
Begründung:Verallgemeinernde Aussagen haben potenziell die Eigenschaft, den Gruppenprozesszu unterbrechen und auf eine kognitive Metaebene zu führen, die nichts mehr mitden Teilnehmern selbst zu tun hat.
1.5 TZI in der beruflichen Bildung
TZI ist ein Gruppenmodell, das Ruth Cohn entwickelte, um das Lernen und Arbeiten inGruppen zu erleichtern. Die Bereiche der Anwendung von TZI sind äußerstvielfältig. Nach Löhmer ist es eines der in Europa am meisten angewendetenVerfahren im Bereich der Humanistischen Psychologie und Pädagogik. Zum Einsatzkommt es überwiegend in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften inPädagogik, Psychotherapie, Psychologie, Supervision, Organisationsberatungsowie in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kirche. Kurz gesagtkann TZI überall dort eingesetzt werden, wo Menschen miteinander in Kontaktstehen und deren Themen den humanistischen Werten der TZI nicht widersprechen[4].
Inden Zusammenhängen beruflicher Bildung sind die Orientierungen am Thema, demLerngegenstand, oder dem Arbeitsauftrag üblicherweise dominant. Ist dasLernziel eine gelungene Vorbereitung einer Gruppe von Auszubildenden auf eineneue Arbeitssituation, die sie als Gruppe betrifft, so kommt der Gestaltung derLernsituation eine hohe Bedeutung für die Entwicklung der Gruppe im weiterenProzeß sowie ihre weitere Gestaltung von gemeinsamen Arbeiten und Lernen zu.
Das heute übliche Bild der beruflichen Bildung geht von einer mechanistischenBildungsauffassung aus. Dieser Auffassung liegt die Annahme zugrunde, dass dieLernenden durch externe Impulse ihre kognitiven, affektiven sowiepsychomotorischen Fähigkeiten und Anlagen ändern und verbessern. Kösel/Dürr beschreibenden Lehrenden als eine Person, die außerhalb des Systems der Lernenden steht[5]. Erhilft den Lernenden mit verschiedenen Unterrichtsmethoden zu lernen. In derberuflichen Bildung sind Diskussion, Rollenspiel, Projectarbeit, Gruppenarbeitund andere Unterrichtsmethode mit dem TZI-Konzept geeignet.
2. Konsequenzen der Nutzung von TZI
2.1 Vorteile
a. Verbesserung der Kommunikation undGruppenatmosphäre
Themenzentrierte Interaktion geht um die Weise, wie dieGruppenmitglieder miteinander kommunizieren. In der TZI macht die Beachtung desSprachgebrauchs einen erheblichen Anteil aus. Dies ist in den Hilfsregelnfestgahalten, die ganz klar Hinweise für sprachliche Formulierung geben und dieInteraktion in einer Gruppe günstig beeinflussen. Wer diese Regeln befolgt,kann achtsamer miteinander umgehen. z.B:
?Sprich per ichanstatt per man oder per wir.?[6]
Nach Ruth Cohns Meinung soll man bei der Gruppenarbeitimmer nur von sich selbst sprechen, also in der Ich-Form. Dieverallgemeinernden Redewendungen verhindern den Gruppenprozess, weil derSprecher sich hinter der öffentlichen Meinung versteckt und nicht die volleSelbstverantwortung für eigene Aussagen übernimmt. Die TZI-Regeln fördernTransparenz, Verständnis und Vertrauen, schaffen eine akzeptierendeGruppenatmosphäre und Raum für unterschiedliche Wahrnehmungen und Meinungen.
?TZI-Regeln sindAngebote zu direkter und offener Kommunikation.?[7]
Die TZI-Regeln lassen sich nicht separat anwenden. Sie?korrespondieren mit den Postulaten?, besonders das zweite Postulat. ?Störungenhängen in vielen Fällen mit Problemen zusammen.? ?Das Nichtbeachten vonStörungen hat oft schwerwiegende Folgen.?[8]Infolge der Anwendung der Postulate werden die Gefahren vonKommunikationsstörungen vermieden.
Die Verbesserung der Kommunikation in einemGruppenporzess wird auch wesentlich durch die dynamische Balance der dreiFaktoren-ICH, WIR und ES- determiniert. Kommuniktionsprobleme können auftreten,wenn eine Person oder die Gruppe nicht über das Thema sprechen oder ein Themaohne Berücksichtigung von Bedürfnissen oder Befindlichkeiten von Einzelnen oderder Gruppe diskutiert wird. Das Strukturdreieck gewährleistet dieBerücksichtigung der Wertvorstellungen der Gruppen und deren Interessen derTeilnehmer. Gleichzeitig garantiert es auch den Fokus der Aufmerksamkeit für dasThema. Außerdem kann ein starkes Wir-Gefühl entstehen und den Gruppenmitgliederwird gemeinsam klar, an was sie mit welcher Zielsetzung arbeiten.
b. Förderungder Gruppenzusammenarbeit
TZI-Modell bietet eine Möglichkeit, ?Gruppen effizient zuorganisieren und arbeitsfähig zu machen?[9]. Erstens fördert TZI Kooperation. DieKooperation ist immer im unmittelbaren Zusammenhang mit Kommunikation. In demoberen habe ich schon erklärt, dass mit der Hilfe von TZI eine offene,transparente und vertrauensvolle Kommunikationatmosphäre innerhalb der Gruppegeschafft wird. Das führt zu eine effiziente Zusammenarbeit in Gruppen. DasStrukturdreieck bringt den Menschen die ?personelle, interpersonelle undthematische Zusammenhänge? [10] insBewusstsein. Mit dieser Sichtweise werden Interessen und Kompetenzen derIndividuen erfahr- und nutzbar gemacht und der soziale Austausch und dieKoodination zwischen den Beteiligten erleichtert. Dann ?ist die Gruppenleistunggrößer als die Summe der Einzelleistungen?[11].
Zweitens verbessert TZI die Konfliktbewältigung. Dieganzheitliche Sichtweise von TZI bietet eine Unterstützung bei der Bewältigungvon Konfliktsituationen. Das Ich-Eck berücksichtigt Eigenschaften, Bedürfnisseund Verhaltensweisen jedes Teilnehmenden. Durch die Anwendung des Konzepts kannman die Unterschiede zwischen Gruppenmitgliedern besser akzeptieren. Man wirdtoleranter gegenüber anderen Teilnehmer. Das Wir-Eck gewährleistet einegemeinsame Wertvorstellung, entwickelt Gruppeskultur und verringert Isolation.Ein Thema zu bearbeiten stärkt ihre Verbindung. Diese drei Faktoren begünsigen,die Konflikte effektiv zu lösen. Außerdem werden die Konflikterkennung und-bearbeitung schneller und effizienter wegen des zweiten Postulats. DasKonfliktspotenzial wird auch möglichst niedrig gehalten.
c.Beitrag zur Persönlichketisentwicklung
TZI ermöglicht individuelle Entfaltung undSelbstverwirklichung. Ein Wachstum der Persönlichkeit ist möglich, ?wenn dieindividuelle Situation in der Gruppe unterstützend, konfrontierend und respektierendbearbeitet wird?[12]. In der TZI-Strukturwerden die Gruppenmitglieder nicht nur als eigenständige Subjekte, sondern auchals Ergänzung und Hintergrund der Anderen betrachtet. Das ICH-Eck wahrtdie Individualität und unterstütztsubjektive Lebensäußerungen und Entwicklung.
Beim Lernen folgen die Lernende normalerweise der eigenenNeugierde. Wenn sie zum Erlernen des Themas genötigt werden, für das sie keineeigene Motivation aufbringen können, ist das Lernergebnis immer schlecht.TZI-Konzept versucht, alle Teilnehmer zu motivieren. Das Befinden und dieGefühle des einzelnen werden beachtet und einbezogen. Das Thema entsteht ausden gemeinsamen Interessen. Diese führen zu einem großen Engagement und weitereinem guten Lernerfolg.
?Der Mensch ist einepsychobiologische Einheit. Er ist darum gleichmaßen autonom und interdependent.?[13] Daszeigt auf, dass Entwicklung nicht nur durch andere bewirkt werden, sondern manselbst etwas erreicht kann. TZI gibt Lernenden viel Raum zur Selbsterfahrungdurch Postulate und Hilfsregeln. Bei der Persönlichkeitsentwicklung spielt daserste Postulat eine wichtige Rolle. Es führt zu einer höheren Anerkennung dereigenen Verantwortlichkeit im Handeln. Jeder leitet sich selbst in Form seinereigenen ?Chairperson?. Die Teilnehmender können ihre persönlichen Energieneinbringen, sich den Gegenstand selbst erarbeiten und dann innerhalb der GruppeErfahrungen austauschen. So können an dem Gruppenprozess die individuellenFähigkeiten aller wachsen.
d.Integration von Sach- und psychosozialer Ebene[14]
In dem oberen wird es schon geklärt, dass TZI einganzheitliches Konzept ist. Eine Stärke von TZI ist die Integration von Sach-und psychosozialer Ebene.
Viele Leute haben solche Erfahrungen bei derGruppenarbeit, dass oft eine inhaltlich trockene Bearbeitung bestimmter Themendas lebendige Lernen unmöglich macht. Der Grund besteht darin, dass dieSachebene zu sehr im Vordergrund steht. Das geht zu Lasten der individuellenBedürfnisse und des Gemeinschaftsgefühl. Das Potential des einzelnen und derGesamtgruppe kann sich nicht entfalten. Im Vergleich dazu kann ein Übergewichtauf Ich- oder Wir-Ebene die Aufgabe behindern.
Für eine effektive Gruppenarbeit sollen beide Ebenenausgeglichen sein. ?TZI bietet das didaktische System, in demProzessorientierung, Themen- und Personenförderung systematisch gemeinsambetrieben werden.?[15] ImSystem der TZI sind der sachliche und psychosoziale Aspekt unter gleichwertigerBerücksichtigung. Das Lernstoff wird mit emotional-sozialer Entwicklung verknüpft.Lernende versuchen, eigenen Zugang zum Thema zu finden und selbst Motivationaufzubringen. Außerdem garantiert dynamische Balance, dass ein ausgewogeneVerhältnis zwischen den zwei Ebenen gehalten wird.
2.2.Konsequenzen der Nutzung von TZI -Probleme
a.Unbekanntheit der TZI
Für eine richtige Nutzung der TZI besteht eineVoraussetzung darin, dass alle Gruppenmitglieder vorher das TZI-Konzept kennenund methodisch handeln zu lernen müssen. In der praktischen Gruppenarbeit istdas oft ziemlich schwierig. Für viele Leute ist das TZI unbekannt. Das führtdazu, dass sie sich schwierig auf die Gruppenarbeit einlassen.Gruppengestaltung und -entiwicklung verlangen die Bereitschaft jederTeilnehmer. Nur wenn alle das TZI-Konzept, besonders die Postulate und Hilfsregeln,verinnerlichen, kann seine Stärken bei des Gruppenprozesses entfaltet werden.
b.Hoher Zeitaufwand
Aufgrund der angestrebten Lernprozesse sehr zeitaufwendigsind, was durch die Gruppenarbeit mit der TZI nochmal verstärkt wird. Am Anfangdes Gruppenprozesses brauchen die Teilnehmer ?eine Eingewöhnungszeit zumVertrautwerden mit der Arbeit nach der TZI-Methode?[16].Während der Arbeitsphase brauchen sie noch mehr Zeit, um offene undtransparente Kommunikation zu schaffen. ?Nicht nur das Erlernen und Einübenneuer Verhaltensweisen ist zeitaufwendig, sondern auch das Ansetzen an derHaltung?[17]. Ohne großen Zeitaufwandist die TZI-Methode unmöglich.
c.Risiko der Subjektivität
TZI-Konzept bietet viele Möglichkeiten zurPersönlickkeitsentwicklung. Gleichzeitig führt es auch zur Stärkung derSubjektivität. TZI betont, dass alle Ebenen gleichwertig sind. Eigentlich istdie Balance in der Praxis schwer zu erhalten. Die Axiome, das Ich-Element, diePostulate und Hilfsregeln geben einzelnen groß Freiraum und fördernSelbstbewusstsein. Das führt leicht zur Stärkung der Subjektivität und zumVerlust der Objektivität.
Der erworbene Freiraum wird mißbraucht, indem dieTeilnehmer ihre persönlichen Energien möglichst freisetzen oder an ihrer Denk-und Verhaltensweise festhalten. Innerhalb einer Gruppe gibt es nicht nurKooperation, sondern auch Konkurrenz und Wettbewerb. ?Menschen erleben sichnicht nur in der Kooperation mit anderen, sondern auch in Rivalität ihnengegenüber.?[18] Bei der Konkurrenzbeharrt man, der starkes Selbstbewusstsein hat, oft auf seinem eigenenStandpunkt. Das bewirkt dann einen negativen Einfluß aufKommunikationsatmosphäre, Konfliktbewältigung und Gruppenzusammenarbeit.
d.Kontrollsproblem des Leiters
Die Anerkennung und Förderung der Gleichgewichtigkeit derIch-Wir-Es-Faktoren im Globe ist die Basis der TZI-Gruppenarbeit. Deshalb istdie Hauptaufgabe der Leitung, auf die auf die Balance zu achten und Maßnahmenzu ihrer Verwirklichung und Wiederherstellung zu ergreifen. Nach meiner Meinungist TZI ein theoretisch ideales Modell, aber in der Praxis ist das ausgewogeneVerhältnis schwer zu pflegen und kontrollieren. Das Verhältnis gerät oft ausder Balance.
Außerdem wird die Funktion des Leiters durch Anwendungdes ersten Postulats beschränkt. Das Postulat ist auf Autonomie ausgerichtet.Im TZI-System wird jedem Teilnehmenden den Raum gelassen, frei zu entscheidenund sich selbst zu verwirklichen. Das erhöht die Schwierigkeit bei derKontrolle. Bei dem Gruppenarbeitsprozess besteht ein großes Risiko, dieKontrolle zu verlieren.
Literaturverzeichnis
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[1] vgl. Hurtz, Albert (1996): Qualifizierung fürGruppenarbeit. Theoretische Konzepte und ihre Umsetzung in der betrieblichenPraxis, in: Antoni, Conny (Hrsg.): Gruppenarbeit in Unternehmen. Konzepte,Erfahrungen, Perspektiven, 2. Aufl., Weinheim: Psychologie Verlags Union, S. 87
[2] vgl. Rubner,Angelika & Rubner, Eike: DieEntwicklungsphasen einer Gruppe -Grundkonflikte, Einstellungen dem Leitergegenüber und Leiterinterventionen, In: Löhmer Cornelia &Standhardt, Rüdiger (Hg.): TZI.Pädagogisch-therapeutische Gruppenarbeit nach Ruth C. Cohn, Klett-Cotta, Stuttgart 1992
[3] ?Chairman? bedeutet auf Deutsch Vorsizender oder Leiter. Aber in diesemFall nicht übersetzbar wegen anderer Bedeutung: Chairman of myselft undChairman of a group.
[4] vgl. Löhmer, Cornelia 1994: Am Anfang war der Globe. DieThemenzentrierte Interaktion unter besonderer Berücksichtigung ihrer politischenDimension, in: Löhmer, Cornelia/ Standhardt, Rüdiger (Hrsg.): Zur Tat befreien.Gesellschaftspolitische Perspektiven der TZI-Gruppenarbeit, Mainz:Matthias-Grünewald, S.18. (Aspekte themenzentrierter Interaktion)
[5] vgl. Kösel, Edmund/ Dürr, Ursula 1995: Neuorientierungin der Didaktik der beruflichen Bildung, in: Dehnbostel, Peter/ Walter-Lezius,Hans-Joachim 1995 (Hrsg.): Didaktik moderner Berufsbildung. Standorte,Entwicklungen, Perspektiven, Bielefeld: Bertelsmann, S.241.
[6] Barbara Langmaack (2001): Einführung in dieThemenzentrierte Interaktion TZI. Beltz Verlag Weinheim, Basel. S.169
[7] Barbara Langmaack (2001): Einführung in dieThemenzentrierte Interaktion TZI. S.170
[8] Barbara Langmaack (2001): Einführung in dieThemenzentrierte Interaktion TZI. S.171
[9] Bühmann, U. /Moser, A.K. (1995): Beiträge zur Wert-Schöpfung. In: Löhmer,C./Standhardt, R.(Hrsg.): TZI : pädagogisch-therapeutische Gruppenarbeit nachRuth. C. Cohn. Klett Cotta: Stuttgart. S. 393
[10] Susanne Klein (2001): Trainingstool-19 Methoden aus der Psychotherapie fürdie Anwendung in Training. GABAL Verlag GmbH. S.311
[11] Donnert R. (1998): Coaching ? die neue Form der Mitarbeiterführung:Konflikt bewähltigen, Ziele vereinbaren, Mitarbeiter motivieren. Lexika-Verl.,Krick Fachmedien, Würzburg. S.79
[12] Greimel, A.(1992): TZI in der Wirtschaft. In: Löhmer, C./Standhardt, R.(Hrsg.): TZI: pädagogischetherapeutische Gruppenarbeit nach Ruth C. Cohn. KlettCotta: Stuttgart. S. 349
[13] Barbara Langmaack (2001): Einführung in die Themenzentrierte InteraktionTZI. S.42
[14] Hannen, Heike (2001): Bestandsaufnahme vonwissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsprojekten über die ThemenzentrierteInteraktion (TZI) in der Wirtschaft, WWW-Dokument: www.bibb.de/dokumente/pdf/TZI-Studie_Stand_der_Forschung.pdf S.23
[15] Bauer-Sternberg/Schaper (1994). Organisationsentwicklung mit der Themenzentrierten Interaktion- Eineganzheitliche Strategie zur Unternehmensentwicklung. In: Gruppendynamik,Zeitschrift für angewandte Gruppendynamik, 25.Jg., H.4, S.427
[16] Hannen, Heike (2001): Bestandsaufnahme vonwissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsprojekten über die ThemenzentrierteInteraktion (TZI) in der Wirtschaft, WWW-Dokument: www.bibb.de/dokumente/pdf/TZI-Studie_Stand_der_Forschung.pdf S.28
[17] Willeke, K (1995): Die TZI alsmethodisch-didaktische Grundlage von Teamentwicklungsmaßnahmen in Unternehmen.Auszüge aus einer Diplomarbeit. In: Arbeitskreis ?TZI und Wirtschaft? (Hrsg.):TZI und Wirtschaft. Reflexionen-Impulse-Praxisberichte, Bd 2. S.114
[18] Barbara Langmaack (2001): Einführung in die Themenzentrierte InteraktionTZI. Beltz Verlag Weinheim, Basel. S.67
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